Dank und Abschied

„Liebe Gemeinde!“ – mit dieser Anrede beginnt fast immer die Predigt, so habe ich es in den vielen Jahren meines Dienstes gehalten. „Liebe Gemeinde!“ – das ist keine Floskel, sondern so ist es wirklich: diese „meine“ Gemeinde ist mir vertraut und viele Menschen habe ich über die Zeiten und Begegnungen lieb gewonnen.

Mein Dienst als Pfarrer in der Evangelischen Kirche ist in der Summe gut und glücklich verlaufen. In den vielen Aufgaben und Diensten eines evangelischen Pfarrers, bei Taufen, Trauungen und Bestattungen, beim Begleiten und Trösten empfand ich mich nahe bei den Menschen. Die Gemeinschaft am Sonntag Morgen (und am Samstag Abend) an zwei Kirchen in Buer, seit zehn Jahren an vier Orten in Trinitatis, das Predigen und Singen, die gewohnte Form des Gottesdienstes – für diese Erfahrungen bin ich sehr dankbar, weil ich nicht nur gegeben, sondern auch empfangen habe.

An diesem Ort, mitten im Ruhrgebiet, habe ich mich zusammen mit meiner Familie wohl gefühlt. Ich kann nur hoffen und wünschen, dass ich überwiegend Gutes bewirkt und Richtiges getan habe, dass ich den Menschen zuhören und angemessen von der Hoffnung reden konnte, die in mir ist. Wo ich dagegen „meine“ Gemeinde und Einzelne in ihr enttäuscht oder gefehlt habe, da kann ich nur um Entschuldigung bitten.

In meinem Pfarrdienst habe ich mich besonders in zwei Rollen gesehen habe: als Menschenfischer und als Teamspieler. Menschen interessieren mich, ich spreche sie gerne an und es ist mir eine Freude, wenn sie ihre Begabungen erkennen und in der Gemeinde mitmachen. Menschen zu finden, sie ermutigen sich in der Gemeinde auszuprobieren, einladend und offen aufzutreten, anderen zur Freude am Evangelium zu verhelfen – das habe ich gerne getan.

Das Arbeiten in der Kirche habe ich immer als  Teamarbeit verstanden. Die besten Ideen entstanden im Gegenüber und Zusammenspiel mit anderen. Das gilt für „mein“ Kollegium und Pfarrteam und nicht weniger für „mein“ Presbyterium und das gilt für die Gruppen und Vereine unserer Gemeinde – dafür kann ich nur danke sagen.

In fast 37 Jahren in ein und derselben Gemeinde habe ich an so vielen verschiedenen Aufgaben und Stellen arbeiten können – und immer mit Ihnen, Menschen dieser Gemeinde und dieser Stadt. Auch dafür bin ich dankbar. Die Gemeinde und ich selbst haben sich verändert und entwickelt. Es gab nie Stillstand und der Wandel war das Beständige. Ich kann nur hoffen und darum beten, dass wir zusammen in der Gemeinde unserem Gott treu geblieben sind.

In den vergangenen Zeiten und besonders wenn ich in diesem Jahr auf die „65“ zugehe, ist der Gedanke öfter aufgetreten, dass nun auch bald gut und genug ist. Die vielen Veränderungen über Jahre hinweg haben auch Kraft gekostet und ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt ohne berufliche Pflichtaufgaben.

Liebe Gemeinde, da ich mit meiner Frau in Buer wohnen bleiben werde, wird es mit Vielen hier und da ein Wiedersehen geben. Darauf freue mich, wie auch auf meine neue Rolle, als Pastor im sog. Ruhestand. Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Freude des Evangeliums spüren  und wir als Christengemeinde unterwegs bleiben, in Hoffnung, Glaube, Liebe.

Liebe Gemeinde, Gott befohlen!    Ihr Klaus Venjakob